1972: Ein bisschen Vorgeschichte
Alles begann im IWF der TU Berlin
Hätten Sie es gewusst? Die Wiege der deutschen akademischen Forschung zu Werkzeugmaschinenbau und Fabrikorganisation stand in Berlin. Die deutsche Hauptstadt hatte sich im Lauf des 19. Jahrhunderts zu einer der größten Industriestädte Europas gemausert. 1904 wurde an der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin ein Lehrstuhl für »Werkzeugmaschinen, Fabrikanlagen und Fabrikbetriebe« gegründet. Das aus diesem Lehrstuhl hervorgegangene Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) der Technischen Universität Berlin ist eins der ältesten produktionswissenschaftlichen Institute in Deutschland.
Was das mit der Geschichte des Fraunhofer IPK zu tun hat? Ganz einfach: Unser Institut ist quasi eine »Tochtereinrichtung« dieses traditionsreichen Instituts. Das IWF stand seit 1965 unter der Leitung von Prof. Günter Spur. Professor Spur war einerseits ein Pionier der digitalen Steuerung von Werkzeugmaschinen und der Automatisierung industrieller Prozesse. Andererseits war er ein hervorragend vernetzter Kenner der politischen und wirtschaftlichen Landschaft Berlins. Aus dieser Position heraus begann er bald nach seinem Amtsantritt im IWF, für die Einrichtung eines industrienahen Forschungsinstituts für Produktionstechnik in Westberlin zu werben.
Berlin als Innovationsbeschleuniger der deutschen Industrie
Spur attestierte Westberlin großes Potenzial, sich als Standort für die Entwicklung innovativer Lösungen für die industrielle Produktion zu profilieren. Die Idee war so simpel wie einleuchtend: Durch seine »Insellage«, vollständig umgeben vom Staatsgebiet der DDR, war Westberlin von nahegelegenen Rohstoffquellen ebenso abgeschnitten wie von leicht erreichbaren Absatzmärkten. Die städtische Produktionslandschaft sollte sich daher auf Produkte konzentrieren, die sich mit geringem Energieverbrauch und wenigen, leicht zu transportierenden Rohstoffen herstellen ließen. Produkte, die »wissenschaftsnah entwickelt werden müssen und hohe Innovationsgeschwindigkeiten aufweisen« (Zitat Prof. Spur 1975). Zur Herstellung solcher Produkte würde Westberlin davon profitieren, wenn mit staatlicher Förderung Modellfabriken eingerichtet würden, in denen modernste Produktionstechnologien erprobt und weiterentwickelt werden könnten – unterstützt von einer industrienahen Forschungslandschaft.
Die Idee erhielt dadurch zusätzliches Gewicht, dass das Forschungsvolumen des IWF in den 1970er Jahren einen beträchtlichen Umfang erreicht hatte. Vor diesem Hintergrund konnte Prof. Spur schon bald die städtischen Entscheidungsträger für die Einrichtung einer »Berliner Versuchsanstalt für Produktionstechnik« begeistern. Am 18. Januar 1972 fand ein erstes konkretes Gespräch mit dem Senator für Wirtschaft des Landes Berlin, Dr. König statt, kurz darauf wurde eine erste Projektstudie vorgelegt. Doch es sollten noch drei Jahre vergehen, ehe das angedachte Institut seine Arbeit aufnehmen konnte.
Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik