Westberlin, 1976. Sie denken vielleicht an Schlaghosen, Farbfernsehen und Neonlicht. In der Mauerstadt tut sich aber noch mehr: Am Kurfürstendamm werden in unscheinbaren Räumen die Weichen für die Zukunft der Produktionswissenschaft am Standort Berlin gelegt.
Am 1. September 1976 nahm das »IPA-Berlin«, so der Name des Instituts in seinen ersten Jahren, seine Arbeit auf. Mit nur drei Mitarbeitenden gestartet, entwickelte sich das Institut innerhalb weniger Jahre zu einer wissenschaftlichen Größe von internationaler Bekanntheit. Das Wachstum in den ersten Jahren war so rasant, dass das Institut mehrfach umziehen und Zusatzquartiere anmieten musste, bevor es 1986 gemeinsam mit dem Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb IWF der TU Berlin an seinen heutigen Standort im Produktionstechnischen Zentrum (PTZ) Berlin am Charlottenburger Spreebogen zog.
Seitdem hat das Institut viel gesehen und erlebt: Vom Fall der Berliner Mauer und den daraus folgenden Umbrüchen bis zu aktuellen Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft, auf die die Industrie sich einstellen muss. Inhaltlich hat sich die Forschungsarbeit am Institut von einem anfänglichen Fokus auf automatisierte Fertigungslösungen hin zur Unterstützung der kompletten Prozesskette industrieller Unternehmen entwickelt. Dabei spielten technologische Trends von den frühen Tagen der »automatisierten Zeichnungserstellung« über Fortschritte in der Fertigungsautomatisierung bis hin zu Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle. Das, was wir heute als »digital integrierte Produktion« bezeichnen, ist ein Leitbild, das das Institut von Anfang an getrieben hat: Wie kann die industrielle Produktion mit digitalen, später auch vernetzten Lösungen effizienter, leistungsfähiger und zugleich mit Fokus auf den Menschen im Zentrum gestaltet werden?
Heute arbeiten im Fraunhofer IPK rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, studentische und technische Mitarbeitende sowie Verwaltungskräfte aus 31 Nationen. Von unserer Forschungsarbeit profitieren kleine und mittelständische Betriebe ebenso wie große Unternehmen. Gestern wie heute machen wir ihre Produktion fit für die Zukunft − erfindungsreich, human-zentriert und ressourcenschonend.
Bilder rechts:
Flexibles Verpackungssystem für Pralinen, ca. 1983
Mobiles Assistenzsystem für die Wartung und Instandhaltung von Maschinen, aktuelle Forschung