Die 1980er Jahre: Produktionstechnisches Zentrum (PTZ) Berlin

Zwei Ereignisse prägen die 1980er Jahre im Fraunhofer IPK: Am 1. Januar 1980 wird das Institut eigenständig. Und von 1982 bis 1986 entsteht das Gebäude, in dem das Institut bis heute seinen Sitz hat: das Produktionstechnische Zentrum (PTZ) am Charlottenburger Spreebogen.

1980: Vom »IPA-Berlin« zum »Fraunhofer IPK«

© Fraunhofer IPK
U.S. Diplomat John C. Kornblum beim PTK 1998, links neben ihm Prof. Günter Spur.

Berlin wird Fraunhofer-Land

Spulen wir noch einmal zurück und erinnern uns: 1976 nahm man an, dass die UdSSR Fraunhofer in Berlin nicht akzeptieren würde und gründete das von Prof. Spur geplante Institut für Produktionstechnik als Außenstelle des Stuttgarter Fraunhofer IPA. Dieses Konstrukt hatte jedoch von Anfang an nur formalen Charakter. Tatsächlich betrachtete sich das IPA-Berlin immer als eigenständig handelnde Einheit, wie sich zwischen den Zeilen aus dem ersten Jahresbericht des jungen Instituts herauslesen lässt. Hier heißt es, zur inhaltlichen Abstimmung des Stuttgarter sowie des Berliner Institutsteils sei eine gemeinsame Institutsleitung gebildet worden, bestehend aus Prof. Hans-Jürgen Warnecke für Stuttgart und Prof. Günter Spur für Berlin. Beide hätten jedoch »aus Gründen der Praktikabilität auf eine Verantwortlichkeit für den jeweils anderen Institutsbereich verzichtet«.

Drei Jahre lang war Fraunhofer auf diese Art in Westberlin aktiv, ohne dass es Widerspruch vonseiten der Sowjetunion oder der DDR gab. Mutmaßlich machten sich daher vor allem Vertreter der USA für die Eigenständigkeit des Instituts stark. Als prominenter Unterstützer in diesem Zusammenhang wird der US-Diplomat John C. Kornblum betrachtet. Der spätere US-Botschafter in Deutschland blieb dem Institut auch in seiner weiteren Laufbahn verbunden und hielt unter anderem eine Grußbotschaft beim Produktionstechnischen Kolloquium (PTK) 1998.

Und so wurde schließlich de jure umgesetzt, was de facto schon gegeben war: Im Lauf des Jahres 1979 erklärte Westberlin seine Bereitschaft, sich an der Bund-Länder-Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft zu beteiligen. So konnte das IPA-Berlin zum 1. Januar 1980 eigenständig werden. Seitdem trägt es den Namen »Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK«.

Fraunhofer in Berlin – schmeckt trotzdem nicht jedem

Widerspruch gegen die Fraunhofer-Präsenz in Berlin wurde Anfang der 1980er Jahre trotzdem laut – allerdings von anderer Seite. Zweimal wurde das Fraunhofer IPK zum Ziel von Protestaktionen aus dem studentischen Umfeld. Bei einer Institutsbesetzung 1982 kritisierten Studierende der Soziologie die Forschungsarbeiten des Instituts zur Automatisierung der Industrie, weil sie dadurch Arbeitsplätze gefährdet sahen. Ein Jahr später drangen Demonstrierende in die Institutsräume ein und beschädigten Computer und Speichermedien. Dieses Ereignis stand im Zusammenhang mit Protesten gegen den Nachrüstungsbeschluss des Bundestages: Da Fraunhofer mit Verteidigungsforschung assoziiert wurde, propagierten die Beteiligten, die Elektronik-Forschung des Fraunhofer IPK diene neben zivilen auch Rüstungszwecken – was nicht den Tatsachen entsprach. Der transparente Dialog mit der Öffentlichkeit über die eigenen Forschungsinhalte gewann ab diesem Zeitpunkt zunehmend an Bedeutung.

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Bei der Institutsbesetzung 1983 wurden Computer und Speichermedien zerstört.

1981: Roboterlabor Ackerstraße

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Der Eingang zum Gebäudekomplex in der Ackerstraße 76 in den 1980er Jahren
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Das Roboter-Versuchsfeld in der Ackerstaße erlaubte auch Aktivitäten jenseits von Forschung und Entwicklung: Prof. Günter Spur bei Dreharbeiten für einen Filmbeitrag.
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In der Ackerstraße waren Roboter aller großen Hersteller versammelt, etwa von KUKA, Reis Robotics und Manutec.

Mehr Platz für große Geräte

Platz blieb ein Thema für das stetig wachsende Fraunhofer IPK. Die Räume an der Kleiststraße ermöglichten zwar elektronische Laborarbeiten und den Betrieb von Großrechnern, erlaubten aber keine schweren Geräte. Erprobungsarbeiten an Werkzeugmaschinen fanden im Versuchsfeld des IWF in der Fasanenstraße statt. Dort jedoch stießen die beiden Institute zunehmend an räumliche Grenzen – auf Fotos aus den 1980er Jahren ist zu sehen, dass das Versuchsfeld zuletzt vollgestellt war bis auf den letzten Zentimeter. Vor allem Roboterversuchsstände trugen zur Raumnot bei.

So kam es gelegen, dass die TU Berlin 1980 Hallen und Büroflächen in einem stillgelegten Fabrikgebäude der AEG in der Ackerstraße anmieten konnte. Das Gebäude ist ein Erweiterungsbau des traditionsreichen AEG-Werksgeländes in der Brunnenstraße, wo heute das Fraunhofer IZM seinen Sitz hat. Die Renovierung dauerte ein Jahr, und 1981 wurde dort ein Roboterlabor in Betrieb genommen. Platz gab es damit nun zwar ausreichend – doch das »Raumproblem« verlagerte sich auf eine andere Ebene: Fraunhofer IPK und IWF waren nun an drei Standorten tätig. Die Zusammenarbeit innerhalb der beiden Institute sowie zwischen ihnen wurde durch lange Wege behindert. Es war daher eine große Erleichterung, als im Dezember 1982 der erste Spatenstich für das Gebäude gesetzt werden konnte, der künftig die beiden Institute an einem großzügigen Standort integrieren sollte.

Rund um den Roboter

Vorerst jedoch konzentrierte sich die Forschung zu Industrierobotern in der Nähe des Nordbahnhofs. Der Industrieroboter ist eine vergleichsweise junge Arbeitsmaschine. Im Jahr 1954 meldete George Devols ein Patent für seinen »Unimate« an, den ersten programmierbaren Manipulator. Mit Beginn der 1960er Jahre hielten erste kommerzielle Geräte zunehmend Einzug in die Industriehallen. So auch in Deutschland: 1970 sollten Unimates in die Fertigung bei Daimler eingeführt werden. Der deutsche Vertriebspartner KUKA stieß dabei jedoch an Grenzen, die die Entwicklung des ersten deutschen Industrieroboters motivierten: Der »Famulus« war zugleich der erste Roboter mit sechs elektromechanisch angetrieben Achsen. 1974 erschien in Schweden der erste voll computergesteuerte Roboter.

 

An dieser Stelle sprang das Fraunhofer IPK auf den Entwicklungszug auf. Im Bereich der Steuerungstechnik konnte das Institut unter Prof. Spur erheblich zur Roboterentwicklung beitragen. Allerdings diktierten die räumlichen Möglichkeiten in den ersten Jahren eine Konzentration auf Steuerungen und passende Platinen sowie die Simulation von Bewegungsabläufen. Mit der Eröffnung des Labors wurde deutlich mehr möglich. Bahn- und Punktsteuerungen konnten jetzt nicht nur entwickelt, sondern direkt vor Ort getestet werden. Zudem konnten Anwendungsfälle aus den verschiedensten Bereichen – wie Montage, Schweißen, Bürsten oder Entgraten – erprobt werden. Auch erste Arbeiten zu kooperativen Robotern wurden möglich. Zu diesem Zweck war das Roboterlabor mit Geräten aller großen Hersteller ausgestattet, zum Beispiel von KUKA, Reis, Unimation sowie der aus Siemens hervorgegangenen Firma Manutec. 

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1982: Das Fraunhofer IPK am Steuer

Erfolg bahnt sich an

Mit immer neuen Anwendungsszenarien für Industrieroboter vor allem in der Automobilindustrie, von Sensorführung über Fertigungsaufgaben bis zur Montage, erhöhten sich auch die Anforderungen an ihre Steuerungen. Zunächst führten die Roboter einfache Bewegungen von einer zur anderen Koordinate aus – für Punktschweißaufgaben beispielsweise waren solche Punktsteuerungen ausreichend. Komplexe Bewegungen jedoch, die z. B. zum Entgraten, Lackieren, Beschichten oder Schweißen von ganzen Nähten notwendig sind, wurden erst mit sogenannten Bahnsteuerungen möglich. Umso leistungsfähiger mussten Steuerungssoft- und -hardware sein.

Das Fraunhofer IPK profitierte von der schon in den ersten Jahren gesammelten Expertise und wurde von verschiedenen Steuerungs- und Roboterherstellern mit Entwicklungsprojekten beauftragt: in der Konzeption komplett neuer Software, zur Erweiterung vorhandener Lösungen oder für die Optimierung von Verfahren für das Teach-in, also dem Training der Roboter. Seit 1979 gab es Zusammenarbeiten mit Siemens und dem Unternehmen KUKA, das 1973 seinen ersten 6-Achs-Roboter Famulus auf den Markt gebracht hatte. Das Fraunhofer IPK entwickelte Bahn- und Punktsteuerungen für verschiedene Modelle. 1982 konnte die Auslieferung der 500. »Robot Control« gefeiert werden – die Nachfolgemodelle des Famulus brachten die Entwicklung von KUKA zu einem der größten Roboterhersteller weltweit maßgeblich voran.

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6-Achs-Roboter von KUKA zum Schweißen von Motorradrahmen (vorne) und bei Versuchen am Fließband (hinten)
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Anzahl installierter Industrieroboter: Anfang der 1980er wurden in Deutschland deutlich weniger Industrieroboter genutzt als in den USA – und vor allem Japan zog rasend schnell davon.
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Der KUKA IR 6/25 „Libo“, hier eingesetzt zum Lichtbogenschweißen mit der zugehörigen CNC-Steuerung
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Mit am Fraunhofer IPK entwickelter Software konnten Programme zunächst am virtuellen Roboter getestet werden.
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Früher Säulenroboter der Firma Reis Robotics mit vierachsigem Scara-Arm, der Bewegungen in einer horizontalen Ebene ausführen kann

Virtuelle Roboter, reale Produktion

Neben der Hardwareentwicklung und Steuerungsprogrammierung gewann auch die Simulation von Industrieroboterprogrammen im Lauf der 1980er Jahre immer größere Bedeutung. Statt dem manuellem Online-Teach-in, d. h. der Programmierung am realen Roboter, konnten Programme nun zunächst virtuell und ohne Ausfall der laufenden Produktion getestet werden. Damit war der Grundstein für die Offline-Programmierung gelegt, heute eine unverzichtbare Technologie in der Industrie.

Das war auch für komplexe 12-Achs- bzw. 6+6-Achssysteme relevant, bei denen z. B. ein Roboter ein auf einem Drehtisch gespanntes Teil bearbeitet. In den späten 80er Jahren testeten Teams am Fraunhofer IPK sogar kooperierende Roboter: Ein Roboter bewegte das Werkzeug, der andere das Werkstück. 

1982: Das Produktionstechnische Zentrum (PTZ) entsteht

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So war es gedacht: Im Zentrum ein Forum, umgeben von Institutsgebäuden. In dieser Planungsphase waren sogar noch Brücken zwischen den Gebäuden vorgesehen.
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Bevor die Entscheidung für die runde Bauform fiel, wurden auch andere Varianten diskutiert. Die wesentlichen Alternativen wurden betitelt mit »Kreuz« …
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… und »Forschungstürme«.

Bauplanung am Charlottenburger Spreebogen

Wohl dem, der ein neues Quartier benötigt, wenn ein enger Partner gerade großzügige Flächenerweiterungen plant. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kämpfte nicht nur das spätere Fraunhofer IPK mit Platzproblemen. Auch die TU Berlin kam zu dieser Zeit an räumliche Grenzen. Die Zahl der Studierenden war zwischen 1969 und 1979 enorm gewachsen. Das vorhandene Personal konnte sie kaum adäquat betreuen – mehr Personal konnte auf den vorhandenen Flächen aber nicht beschäftigt werden. Außerdem agierte die Universität mit zahlreichen gemieteten Flächen, die auch noch über die gesamte West-Berliner Innenstadt verstreut waren.

Für den Ausbau der TU wurden unterschiedliche Areale diskutiert, unter anderem das sogenannte Spreebogengelände nördlich der Helmholtzstraße. Im Rahmen einer »strukturellen Gesamtplanung« der TU-Erweiterung wurde eine umfassende Neuordnung der dortigen Grundstücke vorgeschlagen. Die favorisierte Idee sah vor, um einen zentralen Platz – ein Universitätsforum – mehrere Institute sternförmig anzuordnen. Angedacht waren Neubauten für die Fertigungs- und Verfahrenstechnik, den Maschinenbau, die Lebensmitteltechnologie, das Verkehrswesen sowie eine Mensa. Eine schöne Idee, die letztlich nicht umgesetzt wurde, weil die Grundstücksverhältnisse im Spreebogen zu kompliziert waren.

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Frühe Phase des runden Konzepts
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Baumassenstudie für das Spreebogengelände. Der Gebäudeentwurf war schon weit fortgeschritten, und noch plante man mit dem Universitätsforum.
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Physisches Modell des PTZ aus der Planungsphase, 1982

Produktion im Kreis

Schon der Baubeginn des ersten Instituts, das an diesem Standort konkret geplant wurde, verzögerte sich durch diese Probleme massiv. Mehrere Industriebetriebe, darunter eine Gießerei und eine Kohlenhalde, mussten umgesiedelt werden, ehe der Neubau für die Fertigungstechnik entstehen konnte. Dieser sollte das IWF der TU Berlin und das Fraunhofer IPK räumlich zusammenführen.

Dass es am Ende das einzige Gebäude bleiben würde, das sich auf den geplanten Forumsplatz hin orientiert, war zum Zeitpunkt der Bauplanung nicht absehbar. Und so wurde das »Produktionstechnische Zentrum (PTZ)« von den Architekten Prof. Gerd Fesel und Prof. Peter Bayerer nach einem innovativen Gebäudekonzept auf zwei Fokuspunkte ausgerichtet: Das Hauptgebäude besteht aus einer kreisrunden Maschinenhalle als Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit, die von einem mehrstöckigen Bürotrakt umgeben ist. Die Anordnung sollte eine visuelle Verbindung zwischen Orten theoretischer und praktischer Arbeit schaffen. Damit war das PTZ nicht nur für den Universitätsbau vorbildstiftend, sondern auch für die industrielle Architektur, bei der Administration und Fertigung häufig räumlich getrennt wurden. Dem Hauptkomplex wurden ein der Krümmung der Pascalstraße angepasster zweiter Büroflügel und ein niedrigerer Seminartrakt vorgelagert, der auf das Zentrum des Spreebogengeländes fokussiert. Was von den Forumsplänen übrig blieb, bildet heute die Grünfläche des PTZ.

Der erste Spatenstich für das Gebäude war ursprünglich für 1979/1980 geplant, am 10. Dezember 1982 konnte er endlich ausgeführt werden. Knapp ein Jahr später, am 26. Oktober 1983, wurde der Grundstein gesetzt.

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»Raum für Gestaltung«: Das Gelände am Spreebogen vor Baubeginn. Einen Spielplatz gab es in der Nähe des PTZ schon damals.
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Auf der Baustelle, 1983
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Das PTZ im Bau, 1984. Im Vordergrund ist der große Hörsaal im Seminartrakt noch ohne Dach.
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Prof. Günter Spur mit der Grundsteinkapsel am 26. Oktober 1983.

1983: CAD-Software made in Berlin

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Die erste Version des »Modell Berlin« bestand aus dem Tektronix-Plotter 4663, Perkin-Elmer-Rechner 3220 sowie einem Programmier- und einem 19-Zoll-Grafikterminal (Tektronix 4014).
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1982 wurde der Arbeitsplatz um weitere Geräte zur grafischen Eingabe und zum Plotten von Zeichnungen ergänzt.

Ganzheitliche Lösungen im und vor dem Rechner

Schon vor Gründung des Fraunhofer IPK lag einer der Forschungsschwerpunkte des IWF der TU Berlin im Bereich Softwareentwicklung. Dort wurde unter anderem EXAPT entwickelt, eine Programmiersprache für NC-Bearbeitung. Daraus ergab sich ein logischer Fokus für das Fraunhofer IPK: Teilweise am IWF entwickelte Systeme wie COMPAC (für 3D-Darstellungen), COMVAR (für 2D-Zeichnungserstellung mit Anbindung an Berechnungsprogramme und Fertigungsplanung), CAPSY (für Arbeitsplanung verschiedener Fertigungsverfahren), CADSYM (ein interaktives CAD-System zur Symbolverarbeitung), CASUS (für die Erstellung von 3D-Modellen aus Handzeichnungen) oder Baustein GEOMETRIE (zur Umwandlung von Spracheingaben in 3D- und 2D-Darstellungen) wurden durch die Forschenden für den Transfer in die Industrie erweitert.

Die ersten Forschungsprojekte des Instituts in diesem Bereich mündeten im vom Berliner Senat geförderten CAD-Arbeitsplatz »Modell Berlin«, der ab 1980 der Öffentlichkeit und interessierten Unternehmen präsentiert wurde. Im Modell Berlin wurden die verschiedenen Softwaresysteme integriert. An einem grafischen, einem Programmier- und einem Bedienarbeitsplatz, verbunden mit einer zentralen Recheneinheit, konnten Ingenieure und Ingenieurinnen CAD-Modelle erstellen und daraus Zeichnungen ableiten, aber auch umgekehrt aus Handzeichnungen dreidimensionale Darstellungen am Rechner generieren.

Advanced Production Systems

Ein weiteres Großprojekt bestimmte über ein Jahrzehnt die Arbeit der Abteilung Konstruktionstechnik am Institut: Ab 1981 arbeiteten Forschende aus Berlin und Aachen zusammen mit norwegischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des SINTEF-Forschungsinstituts in Trondheim sowie dem Sentralinstitutt for Industriell Forskning in Oslo an der CAD/CAM-Software der Zukunft. Unter dem Namen »Advanced Production Systems« (APS) entstanden Systemarchitekturen, Software für die Zeichnungserstellung und 3D-Modellierung und für Arbeitsplanung und NC-Programmierung.

Dabei wurde mit verschiedenen Industriepartnern und Softwareherstellern, wie der EXAPT Systemtechnik, Norsk Data und mbp, dem ersten Softwarehaus Europas, zusammengearbeitet. Der Hersteller Norsk Data übertrug den im Projekt entstandenen »APS Geometric Modeller,« der u.a. auf COMPAC basierte, in das CAD-System »Technovision«. Die CAD-Abteilung der Norsk Data Dietz GmbH wurde 1992 von Intergraph übernommen – dem Software-Unternehmen, das 1995 mit SolidEdge eine auch heute noch verbreitete CAD-Software auf den Markt brachte. Es ist nicht auszuschließen, dass Überreste von APS ihren Weg auch in aktuelle CAD-Systeme gefunden haben.

© Fraunhofer IPK
Im Projekt APS schritt die Entwicklung der CAD-Software weiter voran – mit Software vom Fraunhofer IPK wurden aus handgezeichneten Ansichten auch farbige 3D-Modelle generiert.

Sonderthema: Das Produktionstechnische Zentrum in Film und Fernsehen

© Fraunhofer IPK / Steffen Pospischil
Als Krankenhaus immer gern genommen: Für die Serie »Frauenherzen« von 2015 wurde am Institutsschild an der Ecke Pascalstraße / Schlesingerstraße ein »Rebranding« vorgenommen.

Hollywood-Feeling an der Spree

Seit den 1980er Jahren thront es strahlend weiß am Charlottenburger Spreebogen: Das Produktionstechnische Zentrum (PTZ) Berlin ist mit seiner ungewöhnlichen Architektur ein Hingucker im Berliner Stadtbild. So verwundert es nicht, dass das Zuhause von Fraunhofer IPK und IWF der TU Berlin gerne als Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen genutzt wird. Es hat schon in den unterschiedlichsten Rollen geglänzt: als Ort der Produktionsforschung, aber auch als Krankenhaus oder Bank. 

In jeder Rolle machte das Gebäude eine gute Figur. So etwa 2014, als das ARD-»Hauptstadtrevier« für die Folge »Schwesternkrieg« die Startszene vor dem Haus spielen ließ: Der Besitzer eines Oldtimer-Autohauses wird auf dem Weg in seine Bank von einem fahrenden Auto erfasst. Als Krankenhaus trat das Gebäude in der Serie »Frauenherzen« von 2015 auf sowie im Spielfilm »Die Whistleblowerin« von 2022. In letzterer Produktion spielte es sogar ein schwedisches Krankenhaus. Mitarbeitende des Fraunhofer IPK fühlten sich in eine Paralleldimension versetzt, als am Morgen des Drehs eine der angrenzenden Straßen plötzlich einen schwedischen Namen trug.

Auch im Film »Die Whistleblowerin« von 2022 spielte das Produktionstechnische Zentrum (PTZ) ein Krankenhaus. Die Institutsschilder von Fraunhofer IPK und IWF der TU Berlin am Eingang wurden dabei nicht überklebt, ...
... weil sie im Film nicht zu sehen waren. Standbild aus dem Film, Verwendung mit freundlicher Erlaubnis der Produzentin.
© Fraunhofer IPK / Kirsten Endres
Während der Dreharbeiten zu »Die Whistleblowerin« amüsierte die Umbenennung der angrenzenden Straße die Mitarbeitenden im PTZ.

Von »Anna und die Liebe« bis zu Ranga Yogeshwar

Seinen wahrscheinlich spektakulärsten Filmeinsatz hatte das Gebäude in der Serie »Anna und die Liebe«. Für einen dramatischen Höhepunkt sprang ein Stuntman aus einem Büro des PTZ, um einen Sturz vom Dach zu simulieren. Am umfangreichsten wurde das Gebäude im ZDF-Fernsehfilm »Zwischen den Zeiten« gezeigt. Die Hauptfigur des Films ist eine Wissenschaftlerin. Nahezu alle Einstellungen, die sie an ihrem Arbeitsort zeigen, wurden 2013 in einem zweiwöchigen Dreh im PTZ aufgenommen – von Foyer-, über Büro- bis hin zu Laborszenen.

Es war nicht die einzige Gelegenheit, zu der das Gebäude als Kulisse für einen wissenschaftlichen Kontext diente. Für Julie Delpy’s Spielfilm »My Zoe« von 2018 wurde in den Laboren des Anwendungszentrums Mikroproduktionstechnik – AMP gedreht. Wissenschaftliche Mitarbeitende des Fraunhofer IPK unterstützten dabei die korrekte Darstellung von Labortätigkeiten wie Pipettieren. Und nicht nur für Spielfilme waren und sind die Räumlichkeiten des PTZ spannend: So drehte zum Beispiel Ranga Yogeshwar für seine Initiative »Start Coding – Jeder kann programmieren« einen Beitrag zum Thema Roboterprogrammierung im Versuchsfeld des PTZ.

Nicht aus allen Anfragen wurde am Ende auch ein Filmprojekt. Ein Filmteam suchte 2001 nach einem Drehort für eine Gruft – und wurde nicht fündig. Auch Ideen, das Gebäude als Drehort für die Serie »Homeland« mit Claire Danes in der Hauptrolle oder eine Neuverfilmung von »Drei Engel für Charlie« zu nutzen, wurden nicht umgesetzt. Die schönste Begründung für eine Absage lautete, der Kameramann habe sich »nicht mit der Biegung der Straße anfreunden können« – die Geschichte erzähle sich für ihn dort nicht. Auch ein Multitalent wie das PTZ passt eben nicht in jede Rolle.

© Fraunhofer IPK
Der Film »Zwischen den Zeiten« wurde schon vor der offiziellen Premiere im Versuchsfeld des PTZ gezeigt.
© ZDF / Richard Hübner
Szenen aus »Zwischen den Zeiten«, die in Besprechungsräumen des PTZ gedreht wurden. Verwendung mit freundlicher Erlaubnis des Produzenten und des ZDF.
© ZDF / Richard Hübner
© Fraunhofer IPK / Steffen Pospischil
Ranga Yogeshwar beim Dreh vor den Robotern im Versuchsfeld des PTZ.

To be continued...

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