Reverse Engineering mit 3D-Scan – automatisiert durch Scangineering

Scangineering verbindet 3D-Scanning mit KI-gestütztem Reverse Engineering, um reale Objekte automatisch in parametrisierte CAD-Modelle zu überführen. So erhalten Unternehmen umgehend die digitalen Abbilder Ihrer Objekte und die zeitaufwändige manuelle Modellierung entfällt.

Was ist Scangineering?

Scangineering ermöglicht die automatisierte Rekonstruktion technischer Bauteile auf Basis von 3D-Scans. Reale Objekte werden präzise in parametrische CAD-Modelle mit vollständiger Konstruktionshistorie überführt. Dadurch lassen sich Entwicklungs-, Fertigungs- und Serviceprozesse deutlich effizienter gestalten.

Vorteile von Scangineering

  • Zeit- und Kosteneffizienz: Automatisierte Modellrekonstruktion ersetzt manuelle Nachkonstruktion
  • Direkte Weiterverarbeitung: CAD-Modelle sind unmittelbar für digitale Zwillinge und nachgelagerte Prozessketten nutzbar
  • Planbare Durchlaufzeiten: Standardisierte Abläufe reduzieren Abhängigkeiten von externen Dienstleistern
  • Hohe Integrationsfähigkeit: Modulare Schnittstellen und offene Softwarearchitektur ermöglichen eine einfache Einbindung in bestehende IT-Umgebungen
  • Erweiterte Einsatzmöglichkeiten: Unterstützung für digitale Wertermittlung, Qualitätssicherung und zirkuläre Geschäftsmodelle
  • Erhöhte Datenqualität: Gesteigerte Genauigkeit und kontinuierliche digitale Bestandsführung
  • Unterstützung von Serviceprozessen: Reale Objekte können exakt im »as-is«-Zustand für Inspektionen und Reparaturen abgebildet werden

Technologischer Unterschied zu herkömmlichen Verfahren

© Fraunhofer IPK
Auf dieser Aufnahme sind die ursprünglichen, unverarbeiteten Rohdaten zu sehen, die im Rahmen der Datenaufnahme mithilfe der Herstellersoftware erfasst wurden.

Konventionelle Reverse-Engineering-Ansätze enden häufig bei der Erzeugung von Punktwolken oder Polygonnetzen. Die Erstellung parametrischer CAD-Modelle erfordert dort meist manuelle Arbeitsschritte und Fachpersonal.

Scangineering unterstützt standardisierte Datenformate wie Step, IGES und IFC sowie API-Schnittstellen zu gängigen Branchenlösungen wie Siemens NX, CATIA oder SolidWorks. Dieser offene Ansatz gewährleistet maximale Kompatibilität und Interoperabilität innerhalb bestehender Systemlandschaften.

Das Ergebnis ist eine durchgängige, digital vernetzte Prozesskette mit höherem Automatisierungsgrad, erhöhter Datenkonsistenz und reduzierten Entwicklungszeiten im Vergleich zu marktüblichen Tools.

 

Technologische Neuerungen und Verbesserungen

Der gesamte Workflow von Scangineering ist modular aufgebaut und lässt sich auf unterschiedlichste Anwendungsfälle anpassen – von einzelnen Bauteilen bis hin zu ganzen Industrieumgebungen. Die Softwarearchitektur erlaubt die Integration kundenspezifischer Algorithmen und eine zentrale Steuerung aller Parameter über ein einheitliches Framework.

Darüber hinaus ist Scangineering quelloffen konzipiert und unterstützt standardisierte Datenformate sowie API-Schnittstellen zu gängigen Branchenlösungen wie Revit, ArchiCAD oder SolidWorks. Dieser offene Ansatz gewährleistet maximale Kompatibilität und Interoperabilität innerhalb bestehender Systemlandschaften.

Eine weitere Innovation liegt im Einsatz hybrider KI-Methoden: Scangineering kombiniert bewährte geometrische Verfahren mit modernen KI-Algorithmen (z. B. Convolutional Neural Networks und Transformer-Modelle). Diese Kombination ermöglicht eine präzise Erkennung komplexer Strukturen in großen Punktwolken – schneller, robuster und zuverlässiger als rein manuelle oder rein geometrische Prozesse.

Wie funktioniert 3D Scan Reverse Engineering?

Mit Scangineering in sechs Schritten vom Scan zum parametrischen CAD-Modell.

CAD-Rekonstruktionsprozess
CAD-Rekonstruktionsprozess
© Larissa Klassen / Fraunhofer IPK
3D-Inspektionssystem

 

  1. Datenerfassung: Ein 3D-Scanner erfasst das physische Objekt und erzeugt eine detaillierte Punktwolke. Gegebenenfalls werden Kameras eingesetzt, um Oberflächeninformation über Bilder aufzunehmen.
  2. Vorverarbeitung: Die Punktwolke wird bereinigt. Dabei werden Fehlerpunkte und Rauschen gefiltert, überlappende Scans vereinigt und die Datenmenge optimiert.
  3. Segmentierung: Die bereinigte Punktwolke wird basierend auf geometrischen Merkmalen in Teilabschnitte unterteilt. Hierbei identifiziert das System z. B. planare Flächen, Bohrungen oder komplexe Strukturen. Es werden sowohl regel- als auch KI-basierte Verfahren eingesetzt. Um zusätzlich Objekte und Artefakte aus 2D-Bilddaten zu segmentieren, werden klassische Computer Vision-Technologien angewendet.
  4. Klassifizierung: Jedes Segment wird analysiert und als CAD-Feature oder komplexes Objekt klassifiziert (z. B. Kugelfläche, Zylinderbohrung, Freiformfläche). Dabei erkennen die Algorithmen die zugrundeliegenden Konstruktionselemente in der Punktwolke.
  5. Rekonstruktion: Die erkannten Features werden in ein parametrisches CAD-Modell überführt. Die Software generiert unter Berücksichtigung der ursprünglichen Geometrie einen voll editierbaren 3D-Körper. Die erfassten 2D-Daten werden mit Mapping-Verfahren in die 3D-Szene integriert.
  6. Ausgabe und Datenintegration: Das finale Modell kann in gängige CAE-Software exportiert werden. So lassen sich zum Beispiel ein adaptiver Reparaturprozess anschließen oder die Ist-Daten im Digitalen Zwilling weiterverarbeiten. Im gesamten Prozess unterstützen KI-gestützte Algorithmen die Automatisierung und erhöhen Robustheit und Geschwindigkeit der Segmentierung und Modellierung. Erzeugte Daten können mit gängigen Methoden in existierende IT-Infrastrukturen und Datenökosysteme gespielt werden.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Entwicklung eines vollautomatisierten Reverse-Engineering-Workflows stellt hohe Anforderungen an Softwarearchitektur, Algorithmen und Datenqualität.

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die manuelle Prozesskette des klassischen Reverse Engineering algorithmisch zu antizipieren. Da jedes Objekt individuelle geometrische Eigenschaften besitzt, muss das Framework flexibel genug sein, um sich schnell und ohne umfangreiche Anpassungsarbeiten auf verschiedene Kundenanforderungen einstellen zu können.

Zudem soll Scangineering auch Anwenderinnen und Anwender ohne Spezialwissen im Reverse Engineering unterstützen. Das erfordert eine intuitive, weitgehend automatisierte Benutzerführung mit minimalem Interaktionsaufwand.

Weitere Herausforderungen ergeben sich aus unvollständigen oder fehlerbehafteten Scans: Punktwolken mit geringer Dichte, Messfehlern oder Rauschen müssen zuverlässig segmentiert werden. Hierfür werden robuste, KI-gestützte Algorithmen eingesetzt, die auch bei unvollständigen Datensätzen stabile Ergebnisse liefern.

Schließlich sind ausreichende Rechenleistung und hochwertige Trainingsdaten entscheidend, um die neuronalen Netze kontinuierlich zu verbessern und eine gleichbleibend hohe Modellqualität sicherzustellen.

Erfahrungen und Anwendungsbeispiele rund um 3D Scan Reverse Engineering

Scangineering wird bereits erfolgreich in Forschungs- und Industrieprojekten eingesetzt. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass sich Scans mithilfe KI-gestützter Modellbildung zuverlässig in CAD-Modelle überführen lassen.

 

Case Study

Lufthansa Technik Group

Im Projekt Scan2DMU der Lufthansa Technik wurde gezeigt, dass sich CAD-Geometrien automatisiert mit aufgenommenen Scandaten abgleichen und korrigieren lassen.

Selbst bei unvollständigen Punktwolken oder Messrauschen kann durch intelligente Algorithmen eine korrekte Rekonstruktion erzielt werden – ein deutlicher Vorteil des hybriden Ansatzes aus Geometrieanalyse und KI.

 

Referenz

FERA I und FERA II

In Pilotanwendungen dieser Pilotanwendung wird Scangineering eingesetzt, um verschlissene Bereiche zu ermitteln und Differenzgeometrien für additive Reparaturprozesse zu bestimmen. Dank vollautomatisierter Bild- und Scandatenverarbeitung lassen sich Reparaturpfade effizient planen.

 

FUTUR-Artikel

Gut gescannt ist halb saniert

Bestandsgebäude verursachen ein Drittel der CO₂-Emissionen. Scangineering optimiert ihre Sanierung mit 3D-Modellen.

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Zukunft will gut produziert sein

Forschende bringen die Produktion von Morgen auf den Weg. Spoiler: Künstliche Intelligenz spielt eine wichtige Rolle!

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Besser als neu

Wenn Scangineering und additive Reparaturtechnologien kombiniert werden, lassen sich Werkzeuge oder Bauteile automatisiert reparieren. 

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