Der deutsche Werkzeugmaschinenbau befindet sich im Umbruch.
Wie sein Unternehmen CHIRON darauf reagiert, beschreibt Dr. Jens König in seinem Gastbeitrag für FUTUR.
Wie sein Unternehmen CHIRON darauf reagiert, beschreibt Dr. Jens König in seinem Gastbeitrag für FUTUR.
Volatile und zunehmend fragmentierte Märkte, Protektionismus, aber auch Anforderungen an Qualität und Rückverfolgbarkeit sowie der Fachkräftemangel prägen das wirtschaftliche Umfeld von Maschinen- und Anlagenbauern. Als Spezialist für Fräs- und Fräs-Dreh-Bearbeitungszentren mit Hauptsitz in Tuttlingen trägt die CHIRON Group diesen Herausforderungen mit einer internationalen Struktur Rechnung. Wir betreiben sieben Produktionswerke in Europa, USA und China. Das erfordert ein hohes Maß an strukturiertem Vorgehen bei systemischer Unterstützung. Die Kunst besteht darin, die strategische Ausrichtung mit den Unternehmensprozessen adäquat zu justieren. Dabei verantworte ich die weltweite, teils lokalisierte Komponentenentwicklung von der ersten Idee über die Produktionseinführung und Service-Begleitung während der Nutzungsphase bis hin zum Produktauslauf.
Im Rahmen der durch die Geschäftsführung vorgegebenen Leitlinien finden daher sowohl regelmäßige Abstimmungen mit internen Stakeholdern, wie Vertrieb, Produktmanagement, Einkauf, Service und Prototypenbau, als auch operative Justierungen, insbesondere bei unerwarteten Ereignissen statt. Das bedeutet für mich und mein Team einen kontinuierlichen Lernprozess durch den Input von Kunden, Lieferanten sowie Kolleginnen und Kollegen weltweit. Unsere Produktentwicklungen werden auf diese Weise permanent gebenchmarkt und nach internationalen Maßstäben auf den Prüfstand gestellt. Ein Beispiel: Die bestimmungsgemäße Verwendung unserer Maschinen und Anlagen bei einer Umgebungstemperatur von 23 °C +/-2 K kann in vielen Regionen nicht eingehalten werden. Die Extremwerte, so mussten wir lernen, liegen bei -5 °C und 50 °C. Dazu kommen Luftfeuchtigkeit und, zum Beispiel in Mexiko, außergewöhnliche Höhen. Unsere komplexen mechatronischen Systeme unterliegen also häufig Bedingungen, die uns zwingen, die Robustheit und Zuverlässigkeit unserer Produkte für die zukünftigen Fertigungsstandorte neu zu definieren.
Mit einem darauf ausgerichteten Produktentwicklungssystem ist es uns gelungen, Lieferanten aus Europa und Asien als Double-Source-Alternative zu tradierten Lieferanten aufzubauen. Dadurch konnten wir unsere Produkte verbessern, neue Anforderungen kennenlernen und im Ergebnis die technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden entscheidend steigern. Auch die effiziente und nachhaltige Entwicklung neuer Produkte ist auf dieser Basis möglich. So konnten wir eine neue Klasse von Mikrobearbeitungsmaschinen für die Medizin- und Präzisionstechnik, die Elektronikindustrie sowie den Werkzeug- und Formenbau aufsetzen. Bei einem äußerst geringen ökologischen Fußabdruck können unsere Kunden damit hochpräzise Bauteile in wechselnden Losgrößen produzieren. Es macht mich stolz, dass wir hierfür Anerkennung in Form vieler Aufträge, hoher Kundenzufriedenheitswerte und zahlreicher Auszeichnungen erhalten.
startete als studentischer, später wissenschaftlicher Mitarbeiter am IWF der TU Berlin und war zuletzt Abteilungsleiter im Fachgebiet Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik des IWF und im Geschäftsfeld Produktionssysteme des Fraunhofer IPK. Nach seiner Promotion war er ab 2012 in leitenden Funktionen bei DMG MORI tätig. Seit 2017 ist er für den Bereich Mechatronik/Komponentenentwicklung bei der CHIRON Group zuständig. Neben der Leitung strategischer und internationaler Projekte verantwortet er die produktseitige Integration der Töchterwerke in den USA und China. Zu seinen aktuellen Fokusthemen gehören die Definition der weltweiten Product Compliance, die Lokalisierung und Lieferantendiversifizierung sowie die Unterstützung der strategischen Environmental, Social and Corporate Governance (ESG).