Automatisierung

Sehen, fühlen, verstehen, handeln – Robotik für die Aufgaben von morgen

Automatisierung jenseits des Programmierbaren

Der technische Fortschritt macht Automatisierung in Bereichen denkbar, die weit über das heutige Einsatzfeld von Robotik hinausgehen: Roboter könnten künftig in der Landwirtschaft Feldfrüchte ernten, in der industriellen Montage filigrane Steckprozesse beherrschen oder in der Qualitätssicherung Fehler schneller erkennen als jedes menschliche Auge. Was diese Szenarien vereint: Die Prozesse sind nicht millimetergenau programmierbar, weil Objekte, Umgebungen und Prozessbedingungen variieren. Fachleute bezeichnen solche Aufgaben als teil- oder unstrukturiert.

Damit Roboter derartige Aufgaben bewältigen können, ist eine Art Intelligenz nötig: Die Maschine muss wahrnehmen, Schlüsse ziehen und frei planen können – bis hin zur Ermittlung des richtigen Maßes an Kraft. Kognitive Robotik lässt Roboter ein Verständnis von der Welt aufbauen, die sie umgibt. Bildsensorik befähigt sie zur Identifikation von Werkstücken, Zielen und Hindernissen. Kraftsensoren und akustische Sensoren ergänzen die visuelle Wahrnehmung, letztere etwa um Einrastgeräusche auszuwerten. Die Verarbeitung solcher Signale hat sich durch die Fortschritte bei maschinellem Lernen und KI in den letzten Jahren enorm verbessert.

Doch bis zur Anwendungsreife bleibt viel zu tun: Signale zu einem Gesamtbild fügen, daraus die richtigen Schlüsse ziehen und Aktionen ableiten, die in Geschwindigkeit und Robustheit dem Anwendungsanspruch genügen, erfordert tiefgreifende Expertise in Sensorik, KI und Robotik. Genau hier setzen wir mit unserer Forschung in der Automatisierung an.  Wir verbinden Expertise in Robotik, Bildverarbeitung und Künstlicher Intelligenz, um hochflexible humanzentrierte Automatisierungslösungen zu entwickeln. Dabei arbeiten wir projektbezogen mit den Entwicklungsteams unserer Kunden zusammen, ob als Innovationspartner bei einer konkreten Entwicklungsaufgabe oder als Sparringspartner bei der Bewertung von Automatisierungspotenzialen.

Zusammenarbeit: von der ersten Idee bis zum Serienbetrieb

Wir begleiten Sie in jeder Phase Ihres Automatisierungsvorhabens von der strategischen Orientierung über die Entwicklung technologischer Lösungen und deren Integration in den laufenden Betrieb bis hin zum Transfer von Forschungswissen in Ihre industrielle Praxis.

Machbarkeitsstudie

Wir analysieren Ihre Anwendung vor Ort, entwickeln ein individuelles Konzept und setzen einen Beispielprozess prototypisch in unseren Laboren um. So machen wir das Potenzial sichtbar und minimieren Ihr Entscheidungsrisiko.

Prototypische Entwicklung und Integration

Gemeinsam mit Ihnen konzipieren und realisieren wir einen funktionalen Prototyp in Ihrer Produktionsumgebung – inklusive Personalschulung und mehrmonatiger Evaluation. Auf Wunsch erarbeiten wir ein ausschreibungsfähiges Lastenheft.

Sie stehen vor einer konkreten Entwicklungsaufgabe?

Unsere Fachleute unterstützen Ihr Team, projektbezogen und auf Augenhöhe.

Lizenzierung und langfristiger Betrieb

Für den Übergang in den Serienbetrieb unterstützen wir bei der Integratorsuche, stellen unsere Technologie als lizenzierbare Softwaremodule bereit und begleiten Sie durch Schulung, Einführung und Weiterentwicklung.

Wissenstransfer

Unsere Fachleute kommen zu Ihnen, vermitteln im Rahmen eines Workshops technologische Grundlagen und analysieren gemeinsam mit Ihnen, welches Potenzial Automatisierung und KI für Ihre Prozesse bieten. Sie erhalten konkrete Ideen und eine vollständige Dokumentation.

Sie möchten erfahren, welches Automatisierungspotenzial in Ihren Prozessen steckt?

Unsere Forschungsthemen

Sensorintegrierte Robotik

© Fraunhofer IPK

Vom Sensor zur Handlung

Mithilfe von KI, Bildverarbeitung und Kraftregelung ermöglichen wir den Einsatz von Robotern auch in variablen Umgebungen. Unsere Systeme kombinieren Positions- und Objekterkennung, kollisionsfreie Bahnplanung sowie Prozessüberwachung – bei Bedarf ergänzt um Ansätze, bei denen der Roboter komplexe Fähigkeiten vom Menschen lernt.  

Von Endeffektoren über mobile Roboter bis hin zu Bild-, Kraft- und taktilen Sensoren integrieren unsere Teams die gesamte Prozesskette prototypisch und entwickeln die zugehörige Software, von der Signalverarbeitung bis zur Robotersteuerung.  

 

Robuste Automatisierung in der Elektromontage

Filigrane Steckprozesse sind fehleranfällig und verursachen hohe Folgekosten durch Ausschuss und Stillstände. In einem Forschungsprojekt haben wir robotergeführtes Stecken mit automatisierter Fehlererkennung und autonomer Korrektur kombiniert, auch bei Positionsabweichungen und Bauteilvarianz.

 

Montage von Innenverkleidungsteilen mit mobilem Roboter

Beispiel Fahrzeugbau: Ein mobiler Manipulator erkennt per Bildverarbeitung die Lage von Karosserie und Montagestellen, navigiert autonom zur Position und setzt Klipse kraftsensorgeführt mit integrierter Prozessüberwachung. Im Projektergebnis ließ sich die manuelle Belastung um bis zu 80 Prozent senken, bei flexibler Reaktionsfähigkeit auf Störungen in der Linie.

 

Ernteroboter

Feldfrüchte variieren in Form, Farbe und Lage an der Pflanze und erfordern je nach Situation individuelle Erntestrategien. In einem Forschungsprojekt haben wir Robotik, KI und Kameratechnik mit neuartigen Greifwerkzeugen zu einem integrierten Erntesystem verbunden. Im Feldversuch ließ sich der manuelle Aufwand um bis zu 80 Prozent reduzieren. Das System ist grundsätzlich skalierbar und für den Dauerbetrieb ausgelegt.

Maschinelle Wahrnehmung

© Fraunhofer IPK / Clemens Briese

Erkennen, zuordnen, bewerten

Wir identifizieren Bauteile zuverlässig anhand von Bildern und ordnen sie dem Produktkatalog zu – auch bei sichtbaren Gebrauchsspuren und großen Teilekatalogen, ohne spezielle Marker. Mittels KI werten wir zudem den optischen Eindruck aus und schätzen den Zustand eines Objekts automatisch ein.

Unsere Kompetenz reicht von der effizienten Datenakquise und Datenkuration über die KI-gerechte Prozessgestaltung bis hin zur Entwicklung und zum Training spezialisierter Bildverarbeitungsmodelle.

 

Bauteilidentifikation im Wareneingang

Über 10.000 unterschiedliche Bauteile anhand optischer Merkmale zu identifizieren, ist manuell fehleranfällig und zeitintensiv. In einem Entwicklungsprojekt entstand eine KI-basierte Lösung, die Bauteile zuverlässig erkennt und das Wissen standortübergreifend verfügbar macht. Im Pilotbetrieb ließen sich die Arbeitszeit im Warenhandling um 70 Prozent und Fehlidentifikationen um 90 Prozent reduzieren, bei lückenloser Dokumentation aller Eingänge im ERP-System.

 

Automatisierung in der Aufbereitung von Medizinprodukten

In einem Forschungsprojekt haben wir eine KI-basierte stationäre Lösung entwickelt, die alle Instrumente im OP-Tablett identifiziert und die Vollständigkeit vor dem Einsatz gewährleistet. Aktuell arbeiten wir daran, Robotern die robuste Erfassung und Manipulation von OP-Instrumenten zu ermöglichen. 

 

Egozentrische Prozessüberwachung

Eine kamerabasierte Brille erfasst Montageschritte in Echtzeit. KI-Algorithmen erkennen den aktuellen Prozessschritt und melden Abweichungen sofort. So können wir Wissen digitalisieren, um es für andere Kollegen verfügbar zu machen. Gleichzeitig stellt dies eine neue Möglichkeit für uns dar, Prozesswissen auch auf Roboter zu übertragen.