Gezielt messen statt alles erfassen
Die Lösung heißt getriggerte Datenaufnahme. Statt die Sensorik permanent laufen zu lassen, wird sie nur dann aktiviert, wenn es darauf ankommt, automatisch und zuverlässig. Zu Beginn eines definierten Fräsprozesses oder beim Start des Bearbeitungszyklus einer bauteilkritischen Geometrie schaltet nun nicht mehr der Werker oder die Werkerin einen Sensor an – sondern ein Signal direkt aus dem Prozess. So entstehen kleinere, relevantere Datenmengen, die sich klar einzelnen Bauteilen und Prozessschritten zuordnen lassen.
Speicherplatzbedarf, Aufwand für die Datenverarbeitung und Personaleinsatz sinken drastisch. Gleichzeitig steigen Konsistenz und Aussagekraft der Datenbasis – die Grundlage für verlässliche Analysen und Optimierungen.
Von der Rohinformation zur verwertbaren Erkenntnis
Werkzeugmaschinen liefern heute bereits eine Vielzahl nutzbarer Signale: Stromsensoren geben Aufschluss über Antriebsleistungen, Beschleunigungssensoren helfen, instabile Prozesse zu erkennen, und Temperatursensoren überwachen Spindeln. Werden diese Daten gezielt in den relevanten Prozessabschnitten erfasst und mit Kontextinformationen wie Auftragsnummer oder Werkzeug-ID kombiniert, entsteht ein hochwertiger Datensatz mit konkretem Praxisbezug.
Am IWF der TU Berlin arbeiten Forschende seit Jahren daran, mit solchen strukturierten Daten ein umfassendes Prozessmonitoring zu realisieren, mit dem Schneidenausbrüche und Toleranzabweichungen detektiert und auch weitere Prozessanomalien frühzeitig erkannt werden können. Ein Vorteil: Auch bildgebende Sensoren, etwa Mikroskope zur Erfassung des Zustands von Werkzeugschneiden, lassen sich automatisiert triggern. So stehen zeitlich exakt korrelierte Bilder und Prozessdaten zur Verfügung. Für unseren Beispielbetrieb ergibt sich damit erstmals ein umfassender Überblick eines kritischen Fräsprozesses: ein gemeinsamer, hochverdichteter Datensatz aus Bearbeitungsprogramm, Beschleunigungssensor-Daten aus der Spindel und hochauflösender Bilder der Werkzeugschneiden. Mit Algorithmen lassen sich somit beispielsweise automatisiert Ausbrüche an einzelnen Schneiden aus den Beschleunigungsdaten extrahieren und auch langfristig die Ursachen dafür identifizieren. Eine Aufgabe, die manuell kaum zu leisten wäre. Die Vorteile der getriggerten Datenaufnahme gehen allerdings über die vereinfachte Datenauswertung hinaus. Im nächsten Schritt erlaubt die zeitliche Korrelation ein automatisiertes Labeln der Daten, wodurch sie auch für KI-Ansätze und selbstlernende Optimierungsstrategien nutzbar werden. Das spart unserem mittelständischen Beispielunternehmen längerfristig weitere Zeit im vollen Produktionsplan.