Fraunhofer IPK

Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik

Ehrung für den »Vater der Rekonstruktionstechnologie«

Dr. Bertram Nickolay erhält den Fraunhofer-Taler

Schon seit den 1980er Jahren forscht Dr. Bertram Nickolay am Fraunhofer IPK zu maschinellem Sehen. Nun erhielt er in Würdigung seiner Verdienste für die Fraunhofer-Gesellschaft den Ehrentaler.

Fraunhofer-Vorstand Prof. Dr. Alexander Kurz  überreichte Dr. Nickolay den Fraunhofer-Taler auf der jährlichen Sitzung des Fraunhofer IPK-Kuratoriums am 8. November 2019. Die Übergabe erfolgte vor einer Runde hochrangiger Kuratoren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie der Fraunhofer IPK-Professoren.

v. l. n. r. : Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Klaus Wucherer, Institutsleiter Prof. Dr. Dr. Eckart Uhlmann, Dr. Bertram Nickolay, Laudator Prof. Dr. Alexander Kurz


In seiner Laudatio betonte Prof. Kurz, dass der Fraunhofer-Taler nur an wenige ausgewählte Persönlichkeiten vergeben werde. Dr. Nickolay habe sich als Akquisiteur profilgebender Projekte um die Fraunhofer-Gesellschaft verdient gemacht. »Wir sind stolz und froh, solche Mitarbeitende zu haben!«, so Prof. Kurz.

Dr.-Ing. Bertram Nickolay kam 1981 als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK. 1990 promovierte er an der TU Berlin zum Thema »Belehrbares Bildauswertungssystem zur Erkennung von Oberflächenfehlern«. Seitdem leitet er eine eigene Abteilung, zunächst unter dem Namen Mustererkennung. Zwischenzeitlich fungierte die Abteilung unter dem Namen Sicherheitstechnik, seit 2018 heißt sie Maschinelles Sehen.

Der Fraunhofer-Taler
Bildquelle: © Fraunhofer

Weltweite Resonanz erlangten seine Arbeiten zur automatisierten virtuellen Rekonstruktion zerstörter Dokumente. Aufgrund seiner Idee und Initiative wurde das Projekt zur computergestützten Rekonstruktion der zerstörten Stasi-Akten ins Leben gerufen. Für die darin entwickelte ePuzzler-Technologie wurde das Team von Dr. Nickolay im Dezember 2013 mit dem EARTO-Innovationspreis der European Association of Research and Technology Organisations ausgezeichnet.

In den letzten Jahren widmete sich der »Vater der Rekonstruktionstechnologie« mehreren Projekten von großer kultureller Bedeutung. Dazu gehört die Wiederherstellung von Dokumenten, die beim Einsturz des Stadtarchiv Kölns und bei einem Bombenanschlag auf die Jüdische Bibliothek der Fundación IWO in Buenos Aires zerstört worden waren. Auch die digitale Rekonstruktion von Textzusammenhängen in den Handschriften des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und die virtuelle Rekonstruktion des Gebetsbuchs Narek, eines wichtigen armenischen Kulturschatzes, zählen zu den jüngeren Projekten von Dr. Nickolay und seinem Team.

Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit ist Bertram Nickolay Herausgeber und Autor von Fachbüchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu den Themen Sensortechnik, Bildverarbeitung und Mustererkennung. Zudem ist er Initiator von internationalen Workshops und wissenschaftlichen Kongressen.

Er engagiert sich seit den 1970er Jahren intensiv für gesellschaftliche und kulturelle Themen. Um die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Kultur zu fördern, hat er eigene Veranstaltungsreihen etabliert. Er ist Initiator von literarisch-musikalischen Projekten und Mitherausgeber einer umfassenden Anthologie zur Jiddischen Musik, die 2010 mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde.