Fraunhofer IPK

Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik

Fraunhofer IPK trauert um Prof. Günter Spur

Prof. em. Dr. h. c. mult. Dr.-Ing. E. h. mult. Dr.-Ing. Günter Spur, Gründer und langjähriger Institutsleiter des Fraunhofer IPK, ist am Dienstag, den 20. August 2013 plötzlich und unerwartet verstorben.

Im Produktionstechnischen Zentrum (PTZ), dem zentralen Ort seines wissenschaftlichen Schaffens, liegt bis zum 13. September öffentlich ein Kondolenzbuch aus. Es ist wochentags von 10:00 bis 16:00 Uhr zugänglich.

Adresse: PTZ, Pascalstraße 8-9, 10587 Berlin, Raum 205, 2. Etage

21. August 2013 – Als einer der führenden deutschen Ingenieurwissenschaftler hat Prof. Spur seine Disziplin bis weit über seine Emeritierung hinaus geprägt. Geboren 1928, studierte Spur Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Fertigungstechnik und Arbeitspsychologie an der Technischen Hochschule Braunschweig. Nach kurzer Industrietätigkeit promovierte er 1960 mit einer Arbeit über „Schnittkraftmessung beim Bohren mit Spiralbohrern unter Berücksichtigung der Radialkräfte“. Anschließend war er einige Jahre Konstruktionsleiter bei der Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister u. Comp. AG in Bielefeld. 1965 übernahm er als Nachfolger Prof. Heinrich Schallbrochs die Leitung des Instituts für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) an der Technischen Universität Berlin. Sein Engagement für eine „Berliner Versuchsanstalt für Produktionstechnik“, die als angewandte Forschungseinrichtung Brücken zwischen universitärer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung schlagen sollte, führte 1976 zur Gründung des Fraunhofer IPK – zunächst als Außenstelle des Stuttgarter Fraunhofer IPA, ab 1979 als eigenständiges Institut. Unter seiner Leitung wurden beide Institute 1986 in einem gemeinsamen Gebäude räumlich zusammengeführt – dem Produktionstechnischen Zentrum (PTZ) Berlin. Zwischen 1991 und 1996 war Prof. Spur Gründungsrektor der Technischen Universität Cottbus. Zudem war er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Entwicklung des IWF und des Fraunhofer IPK unter Prof. Spurs Leitung lässt sich in der Gedankenkette von der Werkzeugmaschine über die Fertigungstechnik zur Produktionswissenschaft zusammenfassen. Spätestens seit den 1980er Jahren wurde er als „Vater der Fabrik der Zukunft“ auch einer breiteren interessierten Öffentlichkeit ein Begriff. Prof. Spurs Forschungsinteresse galt vor allem automatisierungs- und informationstechnischen Fragestellungen. Zu den Meilensteinen seiner Arbeit zählen numerische Steuerungen von Werkzeugmaschinen, Programmiersprachen, Robotersystemtechnik, Automatisierungstechnik, Informations- und Kommunikationstechnik in der Produktion sowie der Ausbau der CAD-Technologie. Gleichzeitig verlor er nie das Ziel aus dem Auge, menschliche Arbeit und Beschäftigung trotz oder gerade durch die Weiterentwicklung der Automatisierungstechnik zu erhalten. Nach seiner Emeritierung wandte Prof. Spur sich verstärkt Produktionsgeschichtlichen Themen zu.

Zahlreiche Auszeichnungen belegen Prof. Spurs großes Engagement für sein Fach. Er ist unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des Verdienstordens des Landes Berlin und führt Ehrendoktorwürden der Universitäten in Leuven, Chemnitz, Prag, Moskau, Peking, Cottbus, Dortmund und Haifa. Dem PTZ Berlin blieb Prof. Spur bis zum letzten Tag seines Lebens eng verbunden. Auch nach seiner Emeritierung 1997 verging keine Woche, in der er nicht im Hause anzutreffen war. Prof. Spur verstarb während einer Reise zur jährlichen Generalversammlung der Internationalen Akademie für Produktionstechnik CIRP in Kopenhagen. Er wurde 84 Jahre alt.

Unsere Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Mary sowie seinen Kindern Jan Karsten, Claudia und Irene.

Prof. Dr. h. c. Dr.-Ing.  Eckart Uhlmann

 

 

(Bild: Pressestelle TU Berlin / Ulrich Dahl)