Fraunhofer IPK

Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik

Urbane Verteilsysteme

Die City-Logistik, insbesondere die Feinverteilung von Paketsendungen, ist geprägt von großvolumigen, nicht für diesen Einsatzzweck optimierten Nutzfahrzeugen und nicht zeitgemäßen Logistikprozessen. Resultierende Probleme sind eine hohe lokale Schadstoff- und Lärmemission, Beeinträchtigung des fließenden Verkehrs, sowie Leerfahrten und schlechte Zustellquoten bei der Feinverteilung von Paketsendungen. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Verkehrstechnik wurden aus innovativen Logistikkonzepten, neuartige urbane Verteilsysteme gebildet und hierfür optimierte Fahrzeug- und Umschlaglösungen entwickelt.

BentoBox

Ein Beispiel für ein innovatives Produkt in unserem Kompetenzbereich „Urbane Verteilsysteme“ ist die BentoBox (www.bentobox-berlin.de). Sie wurde im Rahmen des EU-Projekts „CityLog“ zusammen mit dem Projektpartner LNC GmbH vom Fraunhofer IPK entwickelt.

Die BentoBox wurde im Rahmen von Feldversuchen in drei europäischen Städten eingesetzt und positiv evaluiert. Das System stellt den Kernbaustein eines neuen Logistikkonzepts für KurierExpressPaketdienstleister (KEPs) in urbanen Räumen dar. Ziele sind hierbei eine Steigerung der Effizienz, Umweltentlastung und eine erhöhte urbane Lebensqualität. Merkmale des neuen Logistikkonzepts sind die Containerisierung von Sendungen, ihr Umschlag über die BentoBox sowie die Feinverteilung unter Verwendung alternativer Fahrzeuge wie Lastenräder oder des am Fraunhofer IPK entwickelten MicroCarrier Urban Vehicle (MCUV). Verkehr, Luftqualität und Lärmpegel werden bisher durch den Einsatz dieselbetriebener Großraumtransporter negativ beeinflusst. Ein weiterer Nachteil ist die Störung des Verkehrsflusses durch in zweiter Reihe parkender Lieferfahrzeuge.

Die BentoBox ermöglicht die Aufteilung der Ausliefer-Routen, sodass sowohl für die innerstädtische Feinverteilung als auch für den Transport in die Stadt jeweils optimierte Fahrzeuglösungen eingesetzt werden können. Weiterhin ist die gemeinsame Nutzung durch mehrere Dienstleister möglich. Hierzu verfügt die BentoBox – anders als bisherige Systeme – über herausnehmbare Containereinheiten. Diese können direkt im Depot befüllt werden, wodurch der Umfang an manuellen, zeit- und kostenintensiven Handhabungsprozessen einzelner Sendungen drastisch reduziert wird. Die befüllten Einheiten werden zu den in den Zustellgebieten platzierten BentoBoxen transportiert, von wo aus die Feinverteilung mit alternativen Fahrzeuglösungen beginnt. Die zweite Generation der BentoBox wird derzeit im Projekt „Stadtquartier 4.0“ entwickelt.

BentoBox 2.0

Die Bentobox 2.0 ist die Weiterentwicklung der BentoBox. Die Forschungsergebnisse aus der Vorgängerversion führen zu dieser zweiten Generation der Bentobox. Das neue System erfüllt weiterhin die Funktion als Kernbaustein eines innovativen Logistikkonzepts für städtische Ballungszentren. Das Einsatzgebiet ist das Holzmarkt Areal im Großraum Berlin. Die Bentobox 2.0 wird im Zuge des Projekts Stadtquartier 4.0 konzipiert, aufgebaut und in einem Feldversuch erprobt. Das Ziel ist die Reduzierung und Vermeidung von Lieferverkehr in urbanen Räumen, sowie die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt von Morgen. Die Bentobox 2.0 ist ein anbieteroffenes und anwendungsübergreifendes System, das sich in das Stadtbild integriert. Zu den implementierten Anwendungen zählen ein Werkzeugsharingkonzept, die Funktion als Mikrodepot und Paketannahmestelle, sowie die Möglichkeit Wechselbatterien für elektrisch angetriebene Kleinstfahrzeuge oder Pedelecs zu laden beziehungsweise zu tauschen. Für die künftigen Ausbaustufen der Bentobox 2.0 werden weitere Funktionen betrachtet. Die zweite Generation der Bentobox besitzt keine entnehmbaren Einheiten, da die Vorkommissionierung in den Lagern der Paketzusteller als nicht relevantes Einsatzgebiet eruiert wurde. Anstelle dieser Funktion bietet die Bentobox 2.0 durch den modularen und flexiblen Aufbau die Möglichkeit, jederzeit die Schließfachanzahl und Größe flexibel auf die Wünsche des Kunden anzupassen. 

MicroCarrier Urban Vehicle (MCUV)

Ein weiteres Produktbeispiel im Bereich alternativer Fahrzeuglösungen ist das am Fraunhofer IPK im entwickelte MicroCarrier Urban Vehicle (MCUV). Dieses neuartige Fahrzeugsystem wurde im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte entwickelt und ist speziell an die Herausforderungen der innerstädtischen Sendungsverteilung angepasst. Es besteht aus einem Führungsfahrzeug und einer variablen Anzahl „MicroCarrier“-Transporteinheiten. Der MicroCarrier ist ein einachsiges, elektrisch betriebenes Gütertransportfahrzeug, das in zwei Betriebsmodi eingesetzt werden kann. Im Verbund-Modus ist es Teil eines Straßenzugs mit geringer Spurweite, wobei die einzelnen Transporteinheiten automatisch der Fahrspur des Führungsfahrzeugs folgen. Im handgeführten Einzel-Modus balanciert der MicroCarrier selbstständig und lässt sich intuitiv wie eine herkömmliche Sackkarre, jedoch mit sehr geringem Kraftaufwand bedienen. Ziel der Entwicklung ist die Erhöhung von Effizienz und Nachhaltigkeit der innerstädtischen Sendungszustellung.