Fraunhofer IPK

Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik

Automatisierungstechnik | ST

Rekonstruktion geschredderter Dokumente


Mit dem am Fraunhofer IPK entwickelten System zur automatisierten virtuellen Rekonstruktion können nicht nur digitale Abbilder der Fragmente zerrissener und be­schädigter Dokumente computerunterstützt zusammengesetzt werden, sondern auch von Aktenvernichtern zerstörte Dokumente wiederhergestellt bzw. lesbar gemacht werden. Solch geschredderte Dokumente bestehen nur noch aus nahezu identischen Schnipseln, sodass eine händische Rekonstruktion kaum möglich ist und mit einem hohen Zeitaufwand einhergeht.

Innerhalb der virtuellen Rekonstruktion zweidimensionaler Objekte stellt die Rekonstruktion geschredderter Doku­mente einen Sonderfall dar. Die Verfahren zur Merkmals­extraktion und zum Matching stehen hier vor extremen Herausforderungen: Die Fragmente haben eine uniforme Kontur, sodass sich die Rekonstruktion nur auf inhaltliche Merkmale und Farbverläufe stützen kann. Zudem sind die Fragmente nur wenige Millimeter breit und einige Zen­timeter lang, sodass die inhaltlichen Merkmale aus nur wenigen Pixeln abgeleitet werden müssen. Daher wird bei der Schredder-Rekonstruktion darauf verzichtet, den Inhalt in naheliegende Klassen wie »Schrift« oder »Linierung« einzuordnen. Stattdessen werden sämtliche Elemente auf einem Streifen – einschließlich der Papierfarbe – als geome­trische Objekte behandelt, anhand deren Verteilung nach Regeln des binären Stringmatchings und der Wahrschein­lichkeit mathematisch mutmaßlich passende Nachbarn ermittelt werden. Das Ergebnis ist damit ein geometrisch naheliegendes, nicht unbedingt ein inhaltlich korrektes. Die Schredder-Rekonstruktion bedarf daher stets der Überprü­fung durch einen menschlichen Betrachter.